Studierende der Informationswissenschaften helfen dem Stadtarchiv Köln

EVZ Historisches Stadtarchiv Köln

Nach etlichem Warten und unklaren Zusagen sollte es doch endlich soweit sein.

11 Studenten des Fachbereichs Informationswissenschaften sollten in der Zeit vom 23.03. bis 28.03.2009 bei der Bergung der Archivalien, die bei dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs Köln verschüttet wurden, helfen.

Tatsächlich hatte der Fachbereich bereits kurz nach dem Unglück signalisiert, dass seine Hilfe zur Verfügung stehe. Dennoch war eine Woche vor der Abreise unklar, ob und wann die Studenten tatsächlich nach Köln fahren würden. Schließlich fanden sich 11 Studierende der Fächer Archiv, Bibliothek und Dokumentation zusammen, um die Reise anzutreten.

Im Vorfeld konnten die Studenten nur spekulieren, was sie an Arbeit und Unterkunft in Köln erwarten würde. „Ich dachte, ich krabbele in Trümmern herum,“ besann sich Helen Buchholz auf ihre Gedanken und Sorgen vor der Abfahrt.

Voller Spannung ging es am frühen Nachmittag zur Arbeitsstelle im Erstversorgungszentrum, in dem die Studenten von nun an täglich 7 Stunden lang Archivalien in die Kategorien „naß“, „trocken“ und „schimmelig“ unterteilen sollten. Die an der Unglückstelle geborgenen Archivalien wurden angeliefert und kartonweise ausgepackt, in diese Kategorien unterteilt und entsprechend behandelt. Nasse und schimmelige Archivalien mussten in Folie gepackt und zum Gefriertrocknen gebracht werden. Eine schnelle und fachgerechte Behandlung war vor allem für diese Archivalien unabdingbar. Die trockenen Archivalien wurden grob verzeichnet, noch einmal zum Trocknen hingelegt und schließlich neu verpackt, um eingelagert zu werden. Nach Aussage der Mitarbeiter wurden die Archivalien im Anschluss an Archive des Umlands geschickt, um dort erschlossen und verzeichnet zu werden.

„Jeder Karton war eine Überraschung“, berichtete Katja Niedballa, „Man wusste nie, was man als nächstes hat, und in welchem Zustand es sich befindet“. Die Kartons enthielten die unterschiedlichsten Archivalientypen: von Akten, Microfiches und Fotos bis hin zu Orden, Stempeln und Festplatten. Es gab Kartons mit intakt erhaltenem Material, das man ohne Weiteres wieder ins Regal hätte stellen können. Der Zustand anderer Kartons war hingegen erschreckend, die enthaltene Archivalien waren stark zerstört. Umso größer war die Freude über alles, was an Einzigartigem gerettet werden konnte, wie z.B. Handschriften oder Dokumente aus der Frühen Neuzeit.
Erschöpft, aber auch zufrieden, diese Leistung für das Archiv erbracht zu haben, fuhren die Studenten spät abends in die Unterkunft und tauschten ihre Erfahrungen mit anderen Helfern aus. Der direkte Besuch der Unglücksstelle erschütterte die Studierenden zutiefst, da sich selbst vor Ort das ganze Ausmaß einer solchen Katastrophe nur schwer erfassen lässt.

Die Stimmung im Erstversorgungszentrum war über die ganze Woche hinweg positiv. Auch die Archivare, die nur knapp vor dem Einsturz das Gebäude verlassen haben, versuchten mit Witz und Optimismus die Stimmung nicht zu trist erscheinen zu lassen. Untereinander packte jeder dort mit an, wo er gebraucht wurde. Die Motivation aller Beteiligten war phänomenal.

Die freiwillige Hilfe weckte großes mediales Interesse, sodass Anja Heber und Susann Gutsch mehrmals in der Woche Telefoninterviews gaben und 2 Termine mit dem Fernsehen organisierten, in denen die Gruppe vorgestellt wurde.

Während der letzten Schicht waren alle zum Einen sehr zufrieden, diese Aktion mitgetragen und erlebt zu haben, zum Anderen aber auch erschüttert, wie viel Arbeit die gesamte Bergung noch in Anspruch nehmen wird. Die Meisten waren sehr beeindruckt von der Zusammenarbeit in der Archivwelt, die dafür gesorgt hat, dass der Helferstrom bis heute nicht abgeebbt ist. Zudem konnten die Studenten die Organisation in solch einer Krisensituation vor Ort miterleben.

Inzwischen sind die Helfer heimgekehrt und haben die Eindrücke verarbeiten können. „Es war eine sehr interessante, lehrreiche Erfahrung, die ich nicht missen möchte“, meinte Claudia Busse. „Ich kann es nur jedem empfehlen, der helfen möchte, denn man merkt, dass man vor allem als Fachpersonal gebraucht wird. Und die Mitarbeiter des Stadtarchivs Köln sind so dankbar für jeden, der anpackt.“

Der Fachbereich bemühte sich weiterhin, Hilfsaktionen zu organisieren. Dies wurde in der Woche vom 11.05. bis 15.05. durch Dr. Karin Schwarz und 16 Studierende realisiert.

von Michael Panitz

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